Zeitvertreib oder Berufskrankheit?

Christine Eulriet • 10. Juni 2021

Gefährlich ist es nicht, nur reflexartig

Rosa und orange Leuchtstreifen überlagern sich bei Nacht

Der Übersetzer-Alltag ist immer gut für Überraschungen – und nicht nur für den oder die Übersetzer:in selbst. Hier berichte ich über Lustiges, Überraschendes oder Unglückliches aus einem so vielfältigen Business, dass es nie «as usual» ist. Heute gehe ich shoppen. Also, meine Tochter – besser gesagt.


Wenn ich nicht gerade vor den eigenen Bildschirmen sitze und für eine Zielgruppe wohlklingende Sätze auf Französisch formuliere, könnte man meinen, dass die Übersetzung weit weg ist.


Oft ist es tatsächlich so, aber weil ich dieses Handwerk richtig liebe, werden im Alltag allerlei Trigger ausgelöst. So etwa während eines Shopping-Tags mit meiner Tochter: Die Wahl fiel ihr offensichtlich nicht so leicht und die Anprobe zog sich ein wenig hin.


Irgendwann – ich hatte meine Umgebung schon eine ganze Zeit lang beobachtet – fing ich an, mir Etiketten von diversen Kleidungsstücken anzuschauen. Letztlich kam die Tochter doch aus der Kabine heraus und der folgende kleine Dialog fand statt:


«Ach schön! Du hast auch etwas gefunden. Willst du es anprobieren?», fragte sie enthusiastisch.

«Nein, nein. Ich habe nur gerade festgestellt, dass es auf dem Etikett mindestens zwei Tippfehler im Deutschen hat. Und die Übersetzung ist sicher nicht von einem Französisch-Muttersprachler.»

«Och… Mamaaa!», kam nur gelangweilt zurück.


Ich stehe definitiv über dem Augenrollen des Teenagers. Ich weiss nur nicht, ob mein Verhalten eher als Zeitvertreib oder schlicht als déformation professionnelle einzustufen ist.


Solche kleinen Alltagsanekdoten machen auch den Reiz dieses Berufes aus!


Damit nicht Ihre Leser die Tippfehler finden, sondern ich

Über die Autorin

Bonjour! Ich bin’s, Christine Eulriet, begeisterte Französischübersetzerin. Mein Blog ist das Ticket für hinter die Kulissen meines Berufs: Wir schauen zusammen, worauf es ankommt, wenn Übersetzungen von mittelmässig zu wow werden sollen. Schlechte Übersetzungen? Nichts womit man leben muss: Hier erfahren Sie, wie Sie Ihren mehrsprachigen Auftritt beherrschen.

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